Projektarchiv
Unsere erfolgreich abgeschlossenen Projekte

"Zwangsarbeit - hier im Kiez?"

Ein Schüler_innen-Medienprojekt zur NS-Zwangsarbeit

Im Zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland auf nahezu jeder Baustelle und jedem Bauernhof, in jedem Industriebetrieb und auch in Privathaushalten Zwangsarbeiter_innen ausgebeutet.

Im Projekt "Zwangsarbeit - hier im Kiez" werden "authentische Orte" filmisch erforscht. Ausgangspunkt ist dabei das Dokumentationszentrum NS Zwangsarbeit. Dort lernen die Schüler_innen in einem ehemaligen Zwangsarbeiterlager etwas über die Arbeits- und Lebenssituation von NS-Zwangsarbeiter_innen in Berlin während des Zweiten Weltkriegs.

Mit dem gewonnenen Wissen und den sich daran anschließenden Fragen recherchieren sie in ihrem eigenen sozialen Umfeld. Mit der Kamera wird nach Spuren von Zwangsarbeit in ihrem Stadtteil gesucht. Mit Hilfe von Dokumenten aus Archiven und dem digitalen Zeitzeug_innen-Interview-Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945" dokumentieren die Jugendlichen ihre Ergebnisse in Filmen.

 

Spurensuche zur NS-Zwangsarbeit in Reinickendorf from ver.di Jbs Berlin-Konradshöhe on Vimeo.

 

Zwangsarbeit heute from ver.di Jbs Berlin-Konradshöhe on Vimeo.

Eindrücke des Geschichtskurses des Friedrich-Engels-Gymnasiums aus Berlin-Reinickendorf  

Nach eigenen Aussagen war das digitale Zeitzeug_innen-Interview-Archiv für die Schüler_innen bei der Erstellung ihres Films von besonderer Bedeutung, denn sie fügte ihren Recherchen eine persönliche Komponente hinzu. So hatten die Schüler_innen die Möglichkeit die ehemalige Zwangsarbeiterin Frau Glowacka kennen zu lernen, die für das Archiv interviewt wurde und deren Interview für den Film der Jugendlichen frei gegeben wurde. Durch sie wurde ihnen und auch dem Zuschauer des Films ermöglicht, emotional dem Schicksal einer NS-Zwangsarbeiterin in Deutschland, aus erster Hand zu folgen.

Um die Erinnerung an die NS-Zwangsarbeit in Deutschland auch in Zukunft wach und lebendig zu halten, wird die schulische und außerschulische politisch-historische Bildungsarbeit in Zukunft verstärkt auf digitale Zeitzeug_innen-Aussagen zurückgreifen müssen. Somit ist "Suche nach Erinnerung" ein zukunftsweisendes Pilotprojekt, da die Schüler_innen erstmals mit digitalen Zeitzeug_innen-Interviews gearbeitet haben, anstatt die Zeitzeug_innen selbst zu treffen.

So wie die Zeitzeug_innen-Interviews des Archivs, wird auch der durch die Schüler_innen entstandene Film für die folgenden Generationen, die irgendwann keine Möglichkeit mehr haben werden, Zeitzeug_innen zu treffen, eine wichtige Quelle sein.

Das Wissen um ihre Verantwortung, hat die Schüler_innen dazu veranlasst auch über ihre Schule hinaus ihren Film zu präsentieren. So wurde der Film im Rahmen des Jugendforums denk!mal 2011 im Berliner Abgeordnetenhaus, sowie in der ver.di Jugendbildungsstätte und im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Schöneweide präsentiert. Der Film ist auch auf der Website „Lernen aus der Geschichte“ online gestellt. Um die Auseinandersetzung mit dem Thema NS-Zwangsarbeit in Berlin, auch in anderen Schulen und Schulbezirken anzuregen, wurde der Film in den nachfolgenden Monaten an verschiedenen Schulen in Berlin von den Schülerinnen und Schülernn präsentiert.

Somit steht der Film nicht nur im Zeichen der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit, sondern beinhaltet gleichzeitig eine Geste in die Zukunft, als Bewahrung von Erinnerung, gegen das Vergessen der Opfer der NS-Zwangsarbeit, über Grenzen hinweg, auch für die Kinder und Enkel der Zwangsarbeiter.


Die Zukunft der Erinnerung – Zeugenschaft ohne Zeitzeugen.