Jugendbildung hat eine lange Tradition in Konradshöhe

Die Anfänge

Die Geschichte der ver.di Jugendbildungsstätte reicht bis in die 1950er Jahre zurück. Der Landesjugendverband der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) Berlin suchte in den 50er Jahren einen Ort für Jugendbildung und eine Unterkunft für Gruppen aus West-Deutschland, die Berlin besuchten. In den 50er Jahren konnte man noch zwischen Ost und West hin- und herreisen. Die DAG wollte auch einen Ort schaffen, an dem sich Jugendliche aus Ost und West begegnen und austauschen konnten. Wo sollte eine solche Begegnungsstätte entstehen, wenn nicht in Berlin, in Sichtweite der Sektorengrenze, die mitten durch die Havel verlief?

Besonders der Landesjugendleiter Peter Ulrich, der Vorsitzende des DAG-Dachverbands Siegfried Aufhäuser und Fritz Rettig vom Bundesvorstand der DAG setzten sich für den Bau eines Hauses für die DAG-Jugend ein. 1957 kaufte die DAG das Gelände an der Havel. Die DAG-Jugend legte einen Zeltplatz an und baute eine Holzhütte, um das Gelände sofort nutzen zu können. Am 17. Juni 1959 legte der Bürgermeister von West-Berlin, Willy Brandt, den Grundstein für die neue Bildungsstätte.

Die 60er Jahre: Schulungszentrum der DAG

Im März 1960 wurde die Begegnungsstätte als Haus der DAG-Jugend Konradshöhe eingeweiht. Ein Jahr später wurde die Mauer gebaut und Begegnungen zwischen Jugendlichen aus der DDR und aus West-Berlin waren nicht mehr möglich. So wurde das Haus vor allem für Seminare und Schulungen der DAG-Jugend und als Unterkunft für Berlin-Besucher_innen genutzt.

In den ersten Jahren gab es in Konradshöhe noch keine Leitung, keine Angestellten und kein Bildungsteam. Jedes Seminar brachte seine Dozent_innen selbst mit. Im Haus wohnten aber die „Herbergseltern“, die sich um die Anliegen der Gäste und Seminarteilnehmer_innen kümmerten. Das Gelände wurde aber auch für Großveranstaltungen genutzt: 1962 kamen zum DAG-Bundesjugendtreffen Tausende Jugendliche auf das Gelände der Bildungsstätte am Havelufer.

Neue Angebote und Zielgruppen

In den 1970er Jahren gab es in Deutschland zahlreiche Bildungsreformen und politische Bildung wurde stärker unterstützt. Unter der Leitung von Konrad Schülke wurde die Bildungsstätte 1979 umgebaut und erweitert. Auch das Bildungsprogramm wurde ausgebaut: Viele neue Angebote der politischen und gewerkschaftlichen Bildung kamen hinzu.

Von 1980 bis 1990 leitete Klaus Pankau die Bildungsstätte. In dieser Zeit öffnete sich die Bildungsstätte auch für neue Zielgruppen: Offene politische Jugendarbeit trat an die Stelle der Schulungen für Gewerkschafter_innen. Nach dem Mauerfall übernahm 1991 Margit Hauck die Leitung des Hauses. Die Bildungsarbeit musste jetzt der neuen politischen Situation und der neuen Bildungslandschaft angepasst werden.

Ein unabhängiger Verein

2001 schlossen sich fünf Gewerkschaften, darunter die DAG, zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zusammen. Damit sieht es plötzlich bedrohlich aus für die Bildungsstätte: Die verhältnismäßig kleine Bildungsstätte in Konradshöhe sollte zugunsten größerer, zentralerer ver.di-Bildungszentren geschlossen werden.

Aber es wird um den Erhalt des Hauses gekämpft. Ab 2003 übernimmt Peter Bohl die Leitung des Hauses. Gemeinsam mit vielen Unterstützer_innen kämpft er für den Fortbestand der Bildungsstätte. Es gelingt ihnen die Bildungsstätte zu erhalten, obwohl große Teile der finanziellen Unterstützung durch die Gewerkschaft wegfallen. Die Bildungsstätte wird in einen sich selbst tragenden freien und gemeinnützigen Verein umgewandelt: den Verein ver.di Jugendbildungsstätte Berlin-Konradshöhe e.V. Die Anbindung an die Gewerkschaft ver.di bleibt ideell bestehen.

Bis zum 31.03.2017 war die ver.di Jugendbildungsstätte eine von 8 Jugendbildungsstätten in Berlin und ein gefragter Ort der außerschulischen politischen Jugendbildung. Mit der Kündigung des Mietvertrages für das Haus und Grundstück in Konradshöhe durch die ver.di Vermögensverwaltung ist die Weiterführung des Hauses und der Bildungsarbeit nicht mehr möglich und wurde zum 31.03.2017 eingestellt. 

Die Mitgliederversammlung hat in Folge dessen die Auflösung des Vereins in ihrer Sitzung am 24.03.2017 beschlossen. Nach fast 60jährigem Bestehen ist damit die Vereinsgeschichte beendet. 


Selbst die 50 Jahrfeier ist schon etwas länger her

Leiter­_innen

  • Elke Weißer (2009 - 2017) 
  • Peter Bohl (2003-2008)
  • Margit Hauck (1991–2002)
  • Klaus Pankau (1981–1990)
  • Konrad Schülke (1976-1980)