Betriebliches Konfliktmanagement
Betriebliche Konfliktmanagementsysteme bieten die Chance, Konflikten in Betrieben professionell und konstruktiv zu begegnen. Ihre Aufgabe ist es, die Konfliktbearbeitung in den Betrieben zu steuern und sowohl im konkreten Konfliktfall als auch präventiv unterstützende Angebote zu schaffen. Ziel ist es, die Mitarbeiter/innen zu einem konstruktiven Umgang mit Konflikten zu befähigen und Konflikte zum Wohle der Belegschaft wie des Unternehmens zu nutzen. Dies wird erreicht durch die Bildung einer unternehmensspezifischen Struktur zur Konfliktbehandlung mit einem vielseitigen Angebot alternativer Konfliktbearbeitungstechniken auf Grundlage einer expliziten Unternehmens- und Konfliktkulturanalyse sowie die aktive Einbindung, Fort- und Ausbildung von Mitarbeiter/innen.
Ein Konfliktmanagementsystem beinhaltet dementsprechend neben der Mediation - als grundlegendes Verfahren zur Konfliktbehandlung - eine Vielzahl weiterer Angebote, wie Coaching, Konfliktberatung, Verhandlungs-, Kommunikationstraining u.v.a.m., welche unter dem Begriff Prozessbegleitung zusammengefasst werden können. Ein solch breites Spektrum fördert eine konstruktive Konfliktkultur und die Akzeptanz durch die Mitarbeitenden. Wichtig ist, dass sich das Konfliktmanagementsystem in die vorhandenen Strukturen eingliedert und nicht neben den betriebsinternen Abläufen besteht. D.h., dass Absprachen mit dem Betriebs- bzw. Personalrat getroffen werden und/oder bestimmte Abläufe, die unternehmensspezifisch sind (bspw., dass Abteilungsleiter bzw. Vorarbeiter in die Entscheidung, ob Arbeitnehmer eine Mediation, Beratung oder Training machen dürfen, mit einbezogen werden), berücksichtigt werden müssen.
Den Arbeitnehmenden bietet ein Konfliktmanagementsystem die Chance, ihre Arbeitsatmosphäre und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Sowohl Prozessbegleitung als auch Mediation stärken zudem die Konfliktfähigkeit und fördern soziale Kompetenzen der Mitarbeiter/innen. Kommunikative Fähigkeiten werden durch das Verfahren erlernt; die eigene Interessenwahrnehmung und das Selbstbewusstsein werden gefördert. Die Interessenorientierung des Verfahrens führt dazu, Konflikte und Probleme partnerschaftlich zu lösen, was u.U. auch das Erkennen von mangelhaften Strukturen erleichtert und damit die systematische Bearbeitung von Konfliktpotentialen ermöglicht.
Für Unternehmen bietet ein Konfliktmanagementsystem weitere Vorteile. Durch eine konstruktive Konfliktbehandlung können Veränderungsprozesse in Betrieben effizient und kreativ gesteuert werden. Konfliktmanagementsysteme sind damit für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens nicht nur nötig, sondern sogar überlebenswichtig. Zudem zeigen Studien, dass durch Konflikte bis zu einem Drittel der Arbeitszeit verloren geht. In einer konstruktiven Konfliktkultur werden dagegen Zeit und Kosten eingespart, so dass allein aus Effizienzgründen für Unternehmen ein solches Angebot lohnend erscheint. Schließlich fördert Mediation und Prozessbegleitung jene sozialen und kommunikativen Kompetenzen, wie sie in der modernen Arbeitswelt immer wichtiger werden.
Während in den USA Konfliktmanagementsysteme für alle großen Unternehmen zum Selbstverständnis gehören - fast 40.000 US-Unternehmen, davon 600 der größten, haben sich in Streitfällen zur alternativen Konfliktbehandlung bekannt - und Teil des geschäftlichen Qualitätsprogramms sind, ist diese Entwicklung an der deutschen Wirtschaft zunächst vorbeigegangen. Doch trotz weitreichender Unkenntnis ist auch hier eine Tendenz zur systematischen Einführung erkennbar.